Adverbiale Bestimmung

 

1. Definition adverbiale Bestimmung

2. Klassen und Arten der adverbialen Bestimmung

3. Wortklassen und wie sie adverbiale Bestimmungen markieren

 

1. Definition adverbiale Bestimmung

Eine adverbiale Bestimmung, auch Adverbial genannt, ist ein Begriff aus der Grammatik. Adverbiale Bestimmungen bieten eine zusätzliche Information zum Ereignis eines Satzes (lateinisch ad = zu; Verb = in der traditionellen Grammatik Ausdruck für Tätigkeitswort). Solche Satzglieder bestimmen einerseits, wie, zu welcher Zeit, warum, wo und unter welchen Umständen etwas geschieht. Andererseits können adverbiale Bestimmungen die Tatsache, dass etwas geschieht, modifizieren oder kommentieren. Somit gibt es zwei Klassen der adverbialen Bestimmung: Verbgruppenadverbiale und Satzadverbiale.

Die adverbiale Bestimmung ist die grammatische Funktion eines Satzgliedes, das aus einem oder mehreren Wörtern bestehen kann:

Subjekt

Prädikat

adverbiale Bestimmung

Die Kinder

spielen

draußen.

Die Kinder

spielen

voller Freude.

Die Kinder

spielen

am Nachmittag.

Die Kinder

spielen

trotz Regen.

Einfache Satzstruktur aufgeteilt in Satzglieder.

 

2. Klassen und Arten der adverbialen Bestimmung

Adverbiale Bestimmungen werden in der deutschen Grammatik in zwei verschiedene Klassen geteilt: Verbgruppenadverbiale und Satzadverbiale. Viele Deutsch- und Grammatikbücher, die nicht in die Tiefe gehen, lehren nur die Verbgruppenadverbiale und ihre verschiedenen Arten.

2.1 Klasse der Verbgruppenadverbiale

Adverbiale Bestimmungen, die die Handlung des Satzes beschreiben, heißen Verbgruppenadverbiale. Identifiziert werden können diese Satzglieder durch die Frage „wie“, „wo“, „wann“, „warum“, „womit“, „wozu“ oder „unter welchen Umständen“.

Beispiele für Verbgruppenadverbiale:

Adverbiale Bestimmung des Ortes (lokales Adverbial)

Die Kekse standen bei Oma im Schrank. (Erfragen durch „wo?“)

 

Adverbiale Bestimmung der Richtung (direktionales Adverbial)

Oma stellte die Kekse in den Schrank. (Erfragen durch „wohin?“)

 

Adverbiale Bestimmung der Zeit (temporales Adverbial)

Herr Meier liest jeden Tag Zeitung. (Erfragen durch „wann“)

Herr Meier liest Zeitung, bis er zur Arbeit fährt. (Erfragen durch „bis wann“)

Herr Meier liest eine halbe Stunde Zeitung. (Erfragen durch „wie lange“)

 

Adverbiale Bestimmung der Art und Weise (modales Adverbial)

Mit viel Mühe schaffte er die Prüfung. (Erfragen durch „wie?“)

Mit einer Pinzette holte der Arzt die Zecke aus ihrem Oberarm. (Erfragen durch „womit?“)

Die Gute-Nacht-Geschichte hören die Kinder gerne. (Erfragen durch „wie?“)

 

Adverbiale Bestimmung des Grundes (kausales Adverbial)

Wegen der langen Öffnungszeiten kauft Frau Zimmermann am liebsten im Edeka ein. (Erfragen durch „warum“)

 

Adverbiale Bestimmung des Gegengrundes (konzessives Adverbial)

Trotz der schlechten Bedingungen traten Sie die Reise an. (Erfragen durch „trotz welcher Umstände?“)

 

Adverbiale Bestimmung der Bedingung (konditionales Adverbial)

Wenn du deinen Brokkoli isst, gibt es noch ein Eis. (Erfragen durch „wann?“)

 

Adverbiale Bestimmung des Zweckes (finales Adverbial)

Um nicht zu frieren, zog er sich eine Jacke an. (Erfragen durch „wozu?“)

 

2.2 Klasse der Satzadverbiale

Das Satzadverbial bestimmt nicht, wie, wann, wo und warum ein Ereignis beschaffen ist, sondern bewertet die Tatsache oder Möglichkeit, dass es sich ereignet (hat) oder definiert den Geltungsbereich. Die Adverbiale Bestimmung modifiziert also nicht das Verb im Satz, sondern den ganzen Satz. Ebenfalls in diese Kategorie fallen Ergänzungen zu Aussagen durch den Sprecher des Satzes. Das können zum Beispiel Phrasen sein, die die Gefühlslage des Sprechers zeigen.

Dass es sich um ein Satzadverbial und nicht um eine Verbgruppenadverbial handelt, erkennt man daran, dass diese Satzglieder meistens nicht mit „wie“, „wo“, „wann“, „warum“ oder „unter welchen Umständen“ etc. erfragt werden können. Allerdings sind die Grenzen zwischen den beiden Untergruppen oft unscharf.

Beispiele für Satzadverbiale:

Evaluatives Adverbial (Bewertung einer Aussage/Gegebenheit)

Leider waren alle Plätze belegt.

 

Bereichsadverbial (Einschränkung einer Aussage)

Mathematisch gesehen zählt das Jahr 1970 nicht zu den 70er Jahren.

  

Agentives Adverbial (Bewertung der Handlungsweise des Subjektes)

Dreisterweise drängelte sich die Frau vor.

 

Epistemisches Adverbial (Bewertung des Sicherheitsgrades der Aussage)

Vielleicht scheint morgen die Sonne.

 

Sprechaktadverbial (Ergänzung der Aussage durch den Sprecher)

Ehrlich gesagt, bin ich mit der Gesamtsituation unzufrieden.

 

3. Wortklassen und wie sie adverbiale Bestimmungen markieren

 

3.1 Verben

Besteht eine adverbiale Bestimmung aus einem Verb, wird das Partizip dieser Wortklasse gebraucht. Das Partizip also eine Markierung für eine adverbiale Bestimmung.

Er stand singend unter der Dusche.

 

3.2 Substantive

Substantive, die als adverbiale Bestimmung fungieren, werden in einem bestimmten Kasus gebraucht:

Eines Tages wirst du mich verstehen. (Genitiv)

Den ganzen Abend wich er mir nicht von der Seite. (Akkusativ)

 

3.3 Adjektive

Adjektive, die adverbial eingesetzt werden, sind in der deutschen Sprache meistens unflektiert. Das heißt, sie werden nicht verändert:

Blitzschnell verschwand der Hamster in seinem Käfig.

Selten werden sie durch spezielle Endungen markiert:

Glücklicherweise war ich noch nicht unterwegs, als der Platzregen ausbrach.

 

3.4 Adverbien

Auch Adverbien werden unverändert in ihrer Form als adverbiale Bestimmungen eingesetzt:

Gestern fiel die Schule aus.

Vielleicht komme ich nachher noch vorbei.

 

3.5 Nebensätze

In einigen Fällen besteht die adverbiale Bestimmung aus einem ganzen Nebensatz. Meistens werden Nebensätze, abhängig von der Art der adverbialen Bestimmung, durch eine entsprechende Konjunktion eingeleitet.

Weil du so lieb warst, bekommst du ein Eis. (kausaler Nebensatz ? Kausaladverbial/adverbiale Bestimmung des Grundes)

Falls es morgen regnet, findet die Veranstaltung nicht statt. (konditionaler Nebensatz/konditionales Adverbial/adverbiale Bestimmung der Bedingung)

 

Achtung: adverbiale Bestimmung oder Objekt?

Es gibt Fälle, in denen adverbiale Bestimmung und Objekt leicht verwechselt werden können. Das ist dann der Fall, wenn ein Verb eine bestimmte (nicht veränderbare) Präposition fordert und von einem Präpositionalobjekt anstatt von einer adverbialen Bestimmung ergänzt wird.

Beispiel:

Die Mannschaft wartet auf den Anpfiff. (Präpositionalobjekt)

Die Mannschaft wartet auf dem Rasen. (Adverbiale Bestimmung des Ortes)

 

Der wesentliche Unterschied ist, dass im Falle der adverbialen Bestimmung des Ortes die Präposition verändert werden kann. Es könnte also auch heißen Die Mannschaft wartet neben dem Rasen. Ist nicht klar, ob es sich um eine adverbiale Bestimmung oder ein Präpositionalobjekt handelt, kann auf einfache Weise durch Erfragen getestet werden, ob die Präposition wegfallen oder durch eine andere ersetzt werden kann. Ist das nicht der Fall, handelt es sich um ein Präpositionalobjekt.

Beispiel:

Die Mannschaft wartet auf den Anpfiff. (Erfragen durch „worauf?“ oder „auf was?“)

  • Die Präposition ist erforderlich. Also handelt es sich um ein Präpositionalobjekt.

 

Die Mannschaft wartet auf dem Rasen. (Erfragen durch „wo?“)

  • Die Präposition kann geändert oder die ganze Präpositionalphrase weggelassen werden. Also handelt es sich bei dieser um eine adverbiale Bestimmung.

 

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